Menschliches Sein

Menschliches Sein ist aber kein An-sich-sein, sondern wesensmäßig ‘Kommunikation’. Der personale Wesenskern des Menschen ist [laut Szasz] ‘Mitteilungsbedürftigkeit’. Nur wird hierzu nicht immer verbale Sprache angewendet. Wie die Semantik lehrt, gibt es ‘Unter- und Übersprachen’, das heißt Sprachen, die nicht die Stufe der Verbalisierung erreichen, und Sprachen, deren
Gegenstand die Sprache selbst ist. Letztere nennt man
‘Metasprachen’; erstere jedoch, die in der Psychopathologie zum Beispiel eine hervorragende Rolle spielen, sind ‘Protosprachen’.

Die Protosprache benützt etwa Körpersignale, um irgendetwas mitzuteilen. So kann man ‘körperliches Kränkeln’ als Signal einsetzen, um die Mitmenschen zu Hilfeleistung zu zwingen. […] [Der Hysteriker] spielt das ‘Krankheitsspiel’, und andere Leute spielen das ‘Helferspiel’, aber es soll niemand meinen, dass das stets sozial und ethisch hochwertige Spiele sind.

—Josef Rattner

Protosprache

Die Protosprache liegt irgendwo zwischen den Gesten und Gebärden und den Worten; sie ist halb Ausdrucksphänomen und halb Sprache. Als ein solches Zwischending ist sie nur schwach informativ, aber sie dient [laut Szasz] durchaus der ‘Objektsuche und Beziehungsaufnahme’. Wenn wir kommunizieren, wollen wir nicht nur etwas mitteilen, sondern uns auch – manchmal nur vage – in Beziehung setzen. Das kann man auf ikonische Weise recht gut, ohne sich in die Unkosten der exakten sprachlichen Formulierung zu stürzen.

—Josef Rattner